Kurz gesagt: Eine Tropfbewässerung gibt jeder Pflanze die gleiche Menge – zuverlässiger, als du von Hand giessen kannst, und ohne dass du täglich dastehen musst. Das entscheidende Bauteil ist nicht die Pumpe, sondern der Tropfer: Er bestimmt, ob die Pflanze am Ende der Leitung gleich viel bekommt wie die erste.
Warum tropfen statt giessen
Beim Giessen von Hand bekommt jede Pflanze das, was du ihr gerade zutraust. Das schwankt – nach Tagesform, nach Zeit, nach Topf. Ein Tropfsystem gibt allen dasselbe, jeden Tag, in kleinen Portionen statt einer grossen Flut.
Gerade in Cocos ist das kein Komfort, sondern die passende Methode: Cocos will häufig und wenig, weil es kaum puffert und die Pflanze aus jeder Gabe direkt versorgt wird. Von Hand ist das kaum durchzuhalten. Mehr dazu im Ratgeber Erde, Cocos oder Steinwolle.
Die Bauteile
- Tank mit der fertig angesetzten Nährlösung.
- Pumpe und eine Zeitschaltuhr, die sie mehrmals täglich kurz laufen lässt.
- Hauptleitung, die am Bestand entlangführt.
- Verteiler oder Spinne, die von der Hauptleitung zu den einzelnen Töpfen abzweigt.
- Tropfer am Ende jedes Zweigs – hier tritt das Wasser aus.
Eine Bewässerungsspinne versorgt mehrere Punkte aus einem Abgang. Der Netafim Tropfer mit 4-fach-Spinne ist der meistverkaufte Artikel dieser Gruppe im Shop: ein Abgang, vier Ausläufe – also vier Töpfe oder vier Punkte um eine grössere Pflanze herum. Es gibt ihn auch als Set. Für grössere Töpfe verteilt der Top Spin mit 12 Teilen auf mehr Punkte.
Mehrere Tropfstellen pro Topf sind kein Luxus. Ein einzelner Tropfer feuchtet nur eine Säule direkt unter sich an; der Rest des Ballens bleibt trocken, und die Wurzeln wachsen entsprechend einseitig. Verteile lieber auf mehrere Punkte rund um den Stamm.
Druckkompensiert: das eigentlich Wichtige
In einer langen Leitung fällt der Druck ab. Ein einfaches Loch am Anfang gibt deshalb mehr Wasser als eines am Ende – die erste Pflanze ersäuft, die letzte verdurstet, und du siehst dem System nicht an, warum.
Ein druckkompensierter Tropfer löst das: Er regelt sich intern selbst und gibt über einen Druckbereich hinweg eine konstante Menge ab. Das CNL Druckventil mit 8 l/h ist genau dafür gebaut und mit über 5000 verkauften Stück das meistgekaufte Einzelteil dieser Gruppe. Die Angabe 8 l/h ist seine Nennmenge – daran rechnest du.
Alle Tropfer in einem System haben dieselbe Nennmenge. Mischst du 8 l/h und 4 l/h in einer Leitung, giesst du zwei verschiedene Beete gleichzeitig – und wunderst dich über den Unterschied.
So rechnest du
Die Nennmenge mal der Laufzeit ergibt die Gabe. Ein 8-l/h-Tropfer gibt in einer Minute rund 130 ml. Vier davon an einer Spinne machen gut einen halben Liter pro Minute an einem Topf. Damit legst du die Laufzeit deiner Zeitschaltuhr fest – nicht nach Gefühl, sondern nach der Menge, die der Topf aufnehmen soll.
So baust du auf
- Trocken auslegen. Leg die ganze Strecke hin, bevor du etwas schneidest.
- Hauptleitung verlegen und die Abgänge dort setzen, wo die Töpfe stehen.
- Spinnen und Tropfer setzen, mehrere Punkte pro Topf, rund um den Stamm verteilt – nicht direkt an den Stamm.
- Erst mit klarem Wasser spülen, bevor die Tropfer dran sind. Beim Zuschneiden entstehen Späne, und die verstopfen genau die Düsen, die du gerade montiert hast.
- Testlauf ohne Pflanzen. Ein Durchgang mit einem Becher unter jedem Tropfer zeigt in fünf Minuten, ob überall gleich viel ankommt. Dieser Test kostet nichts und ist der Grund, warum das System später funktioniert.
- Zeitschaltuhr einstellen: mehrmals täglich kurz statt einmal lang. Das ist der ganze Sinn der Übung.
- Ablauf beobachten. Es soll etwas unten herauskommen – daran misst du, ob genug ankommt, und daran misst du den EC. Wie das geht, steht im Ratgeber pH und EC messen und kalibrieren.
Verstopfung: das einzige echte Problem
Tropfer haben sehr feine Öffnungen. Was sie zusetzt, ist selten Schmutz von aussen, sondern meistens das, was du selbst hineingibst:
- Ungelöster Dünger. Rühren, bis wirklich nichts mehr am Boden liegt – und A und B nie unverdünnt zusammen, sonst fällt Salz aus, das anschliessend deine Tropfer verstopft. Siehe Grund-, Wachstums- und Blütedünger.
- Biofilm im Tank. Licht auf der Nährlösung fördert Algen. Tank dunkel halten.
- Ablagerungen in den Leitungen. Zwischen zwei Durchgängen mit klarem Wasser spülen; Enzymprodukte halten das System sauber.
Kontrolliere die letzte Pflanze in der Leitung. Wenn irgendwo zu wenig ankommt, merkst du es dort zuerst – und dort schaut man erfahrungsgemäss zuletzt hin.
Das ganze Sortiment findest du unter Grow Bewässerung.
Häufige Fragen
Was heisst druckkompensiert?
Dass der Tropfer über einen Druckbereich hinweg eine konstante Menge abgibt. Ohne das gibt ein Tropfer am Anfang der Leitung mehr als einer am Ende, weil der Druck unterwegs abfällt – die erste Pflanze bekommt zu viel, die letzte zu wenig.
Wie viele Tropfer brauche ich pro Topf?
Mehr als einen. Ein einzelner Tropfer feuchtet nur eine Säule direkt unter sich an, der Rest des Ballens bleibt trocken und die Wurzeln wachsen einseitig. Eine 4-fach-Spinne verteilt auf vier Punkte rund um den Stamm; bei grossen Töpfen nimmt man entsprechend mehr.
Warum verstopfen meine Tropfer?
Meistens durch ungelösten Dünger, ausgefallene Salze oder Biofilm aus dem Tank. Dünger vollständig auflösen, A und B nie unverdünnt mischen, den Tank dunkel halten und das System zwischendurch mit klarem Wasser spülen.
Kann ich verschiedene Tropfer mischen?
Besser nicht. Alle Tropfer in einem System sollten dieselbe Nennmenge haben – sonst bewässerst du in einer Leitung zwei verschiedene Beete und kannst die Laufzeit für keines davon richtig einstellen.

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